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Was ist gerecht?

Am Südtor des Baptisteriums in Florenz ist auf einer der 28 bronzenen und teilweise vergoldeten Tafeln die Tugend der Gerechtigkeit zu sehen – als eine thronende Frauengestalt, die in der rechten Hand ein Schwert hochreckt und in der linken eine Waage sachte hält. Diese Justitia schaut den Betrachtenden direkt ins Gesicht, ein Unterschied zu anderen Darstellungen, wo man sie oft mit verbundenen Augen sieht.

Justitia am Südtor des Baptisteriums in Florenz
Justitia am Südtor des Baptisteriums in Florenz, geschaffen 1330 – 1336 von Andrea Pisano. Bildquelle: Wikimedia Commons.

Die Waage gehört ganz fest zur Gerechtigkeit und verdeutlicht, dass es ums Abwägen, Vergleichen und Ausbalancieren geht. Güter, Möglichkeiten und Mitbestimmung sollen angemessen verteilt sein. Dazu sind möglichst viele Umstände zu berücksichtigen, und das braucht Fingerspitzengefühl, Weitblick und Hinhören.

Das Schwert in der rechten Hand macht klar, dass Gerechtigkeit nicht etwas Beliebiges ist. Sie stellt das Fundament jeder Gemeinschaft dar. Diese kann nur gedeihen, wenn das Gerechte durchgesetzt wird. Der direkte Blick der Justitia fordert die Anschauenden auf: «Es kommt auf dich an, dass Gerechtigkeit wird. Setze dich ein – für dich selbst, für andere und für das Ganze.»

Seit 2009 begehen die Vereinten Nationen jeweils am 20. Februar den Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Er lenkt die Aufmerksamkeit auf weltweit schon vorhandene und neu entstehende Benachteiligungen, damit Schritte zu ihrer Überwindung eingeleitet werden. Ein Leben in Würde für jeden Menschen ist das Ziel: Dieses ist auf der Welt vermutlich nicht vollständig erreichbar, doch verleiht der Einsatz dafür Menschen und Gemeinschaften tiefen Sinn. Die Justitia am Südtor des Baptisteriums steht dafür, dass jede getaufte Person dazu beauftragt ist, zur Gerechtigkeit einen Beitrag zu leisten.