We are family
Das Markusevangelium erzählt, wie die Mutter und Geschwister Jesu zu dem Haus kommen, in dem dieser zu einer Volksmenge spricht. Man meldet ihm den Besuch. Und dann lesen wir Folgendes:
«Und er entgegnet ihnen: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Geschwister? Und er schaut, die im Kreis um ihn sitzen, einen nach dem andern an und spricht: Das hier ist meine Mutter, und das sind meine Brüder und Schwestern! Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.» (Mk 3, 33 – 35)
«Familie» scheint uns ein festgefügter Begriff zu sein. Er umfasst die Menschen, die blutsverwandt sind, plus diejenigen, die sich durch Heirat oder feste Beziehung in dieses Verwandtschaftssystem eingefügt haben.
Der Bibeltext legt nahe, dass Familie auch ganz anders gefasst werden kann.

Die Eltern einer mir Bekannten sind aus dem Ausland in die Schweiz gekommen. Ein Elternteil ist früh gestorben. Das hat dazu geführt, dass die Frau kaum Kontakte zu ihren Angehörigen im Ausland aufbauen konnte. So ist sie in einem kleinfamiliären System aufgewachsen, geprägt von Enge und dem Gefühl von Fremdheit, dem Gefühl, in der Schweiz wurzellos zu sein.
Lange habe es gedauert, bis ihr bewusst geworden sei, dass sie sich selbst eine Familie schaffen könne. Dass die vielen Freundschaften, die sie so aktiv pflege, ja eigentlich ihre Familie seien. Und Familie sei auch die Art und Weise, wie sie mit sich selbst umgehe: dass sie z.B. auch für sich allein fein essen gehen könne.
Sie habe gelernt, sich selbst eine gute Verwandte zu sein.
Im Blick auf die vielen Menschen mit Fluchterfahrung, die bei uns mit weit auseinandergerissenen und durch Gewalt dezimierten Familien leben, wird mir deutlich, wie aktuell das Jesuswort ist.
Und ja: Auch eine Glaubensgemeinschaft wie die Kirche kann Familie werden! (mb)
Abb: Freude und Vielfalt: Jugendliche aus verschiedenen Kulturen, 2024. Foto (mit Hilfe von KI erstellt): Marco Verch.
Quelle: ccnull.de