Weissraum

Werktagsgedanken aus der Bahnhofkirche Zürich

Weissraum

Bildquelle: Pexels

Der Januar ist für mich weiss. Vielleicht wegen des Schnees, der alles zudeckt und still macht. Vielleicht wegen des Anfangs; das Jahr ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Ein Raum, der offen ist. Denn für mich ist Weiss keine leere Farbe. Weiss ist Möglichkeit. Sammlung. Atem holen.

So fühlt sich dieser Jahresanfang für mich an. Mir kommt die Pantone-Farbe für 2026 in den Sinn: Cloud Dancer. Ein sanftes, lichtdurchlässiges Weiss. Nicht grell, nicht kühl. Eher wie ein Himmel, der trägt. Wie ein Boden aus Licht. Wie ein Weissraum, in dem etwas Neues entstehen darf.

Ein neues Jahr beginnt nicht mit fertigen Antworten. Es beginnt mit Raum. Ich lege dieses Jahr in Gottes Hände. Oder anders gesagt: Ich gehe in dieses Jahr hinein mit Gott als Fundament. Er ist der tragende Weissraum meines Lebens.

Der Alltag wird manchmal grau sein, an manchen Tagen schwer. Gedanken können belasten. Aber Glaube ist nicht nur Gefühl. Glaube ist – auch – eine Entscheidung. Die Entscheidung, Raum zu lassen für Gott. Für Freude. Für Licht.

«Der Herr ist mein Licht und mein Heil – vor wem sollte ich mich fürchten?» (Psalm 27,1).

Weiss erinnert mich daran: Wir dürfen neu beginnen. Jeden Tag. Wir dürfen Luft lassen zwischen dem, was ist, und dem, was kommt. Und mit Gott in dieses noch offene, weisse Jahr hineingehen.