Wenn die Kompassnadel flattert

Ein Name und ein Begriff haben das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos einschneidend geprägt: «Donald Trump» und «Krise». Genau besehen jagt seit der Finanzkrise 2008 ein Krisenszenario das nächste: Ukrainekrise, Klimakrise, Covidkrise, Gazakrise – und jetzt, verursacht durch die Aushebelung internationaler Verträge, Abkommen und Regelungen durch den machtbesessenen, immer autoritärer auftretenden amerikanischen Präsidenten, erleben wir eine epochale Krise der multilateralen Ordnungen. Die Welt steht kopf. Der Boden wankt. Eingewohnte Sicherheiten zerbröseln vor unseren Augen. Alle diese über uns herfallenden Auflösungserscheinungen lassen uns überfordert, verwirrt oder ohnmächtig zurück. 

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Die Reaktionen der Menschen auf diese neue Weltunordnung fallen unterschiedlich aus: Die einen schützen sich, indem sie sich den Nachrichten- und Informationskonsum nach der Losung «Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss» verbieten. Dann gibt es die wachsende Gruppe jener, die in den Geschehnissen der Zeit das Hufdonnern der apokalyptischen Reiter vernehmen. Wieder andere erzählen von ihrer in Ohnmacht erstickten Wut oder auch vom langsamen Verstummen in Resignation, Hoffnungslosigkeit oder gar Verzweiflung.

Woher Orientierung holen, wenn die Kompassnadel verrückt spielt? Woher Zukunftsglaube und Daseinsvertrauen schöpfen, wenn alles wackelt und wankt? Mir persönlich ist der Kinderglaube abhandengekommen, dass es der Liebegott schon richten werde. Was aber bleibt uns ohne die Hoffnung, ohne das Vertrauen, dass sich das Gute, Wahre und Schöne, das Göttliche in uns und in der Welt eines Tages trotz allen dunklen und kranken Mächten durchsetzen wird?