Wie ein Schmetterling

«Das Glück ist ein Schmetterling. Jage ihm nach und er entwischt dir. Setze dich hin und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.» Der indische Jesuitenpater und spirituelle Lehrer Anthony de Mello hat diesen schönen Spruch einmal aufgeschrieben, und er weist offenbar darauf hin, dass das, was wir uns ersehnen, eher mit Geduld als mit Aktivismus zu erlangen ist.

ein Schmettering auf einem Zweig
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Vom brasilianischen Bischof Dom Hélder Câmara stammt dazu eine Gegengeschichte, in der zwei Kutscher mit ihren beladenen Eselskarren im Morast steckenblieben. Der eine der beiden Lastkutscher fiel auf die Knie und flehte zu Gott um Hilfe. Der andere machte seiner Wut kräftig Luft, krempelte die Ärmel hoch und strengte sich mit aller Kraft an, den Wagen aus dem Schlamm zu ziehen. Da tat sich der Himmel auf und ein Engel stieg herab. Doch zur Verwunderung beider kam er dem zu Hilfe, der sich mit seinem Karren abmühte. Der meinte: «Das ist gewiss ein Irrtum! Der dort drüben hat doch zu Gott gebetet.» Der Engel antwortete lächelnd: «Du hast Hilfe verdient, denn du hast dich immerhin bemüht.»

Wer hat nun recht, der sich für den Schmetterling hinsetzt oder der mit aller Kraft an seinem Karren zieht? Der Spruch und die Geschichte enthalten – so glaube ich – eine sich ergänzende Weisheit. Gewiss, in den meisten Fällen fällt uns das Glück nicht in den Schoss, wir müssen etwas dafür tun. Was zugleich eine gute Botschaft ist: Wir können etwas für unser Glück tun! Wenn wir uns allerdings darauf versteifen, dass genau ein Ding uns Erfüllung bringt, verbeissen wir uns und machen uns unglücklicher. Selig, wem es gelingt, sich hinzusetzen, Erwartungen loszulassen und die Augen für bereits Vorhandenes zu öffnen. Anstrengung und Entspannung in einer guten Balance getragen von Gottvertrauen schenken uns die Leichtigkeit des Schmetterlings. (jr)