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Wo Gott stattfindet

«Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und schaut in den Himmel?»

Der Satz ist in der Bibel, im 1. Kapitel der Apostelgeschichte zu finden; in der Erzählung zur Himmelfahrt Jesu. Dieses Ereignis feiert die westliche Christenheit heute.

Der Text erzählt, dass der auferstandene Jesus während 40 Tagen wiederholt seinen Jünger:innen erscheint. Danach aber wird er vor den Augen der zwölf Apostel in den Himmel emporgehoben. Sie blicken ihm nach. Zwei weiss gekleidete Männer erscheinen und stellen die Frage: «Was steht ihr da und schaut in den Himmel?», um anzufügen, dass Jesus dereinst in derselben Weise auf die Erde zurückkehren wird. Er wird wiederkommen.

Der Glaskünstler Florian Froehlich hat für die katholische Kirche Saignelégier unter anderem die hier abgebildete Stele geschaffen. Sie ist dem Auffahrtsfest gewidmet, und der Künstler hat ihr den zitierten Bibelvers zugeordnet.
Die Stele stellt eine Verbindung zwischen unten und oben her. Es ist aber interessant, dass sich das strahlenförmige Gebilde nicht nach oben hin öffnet; es wird gegen unten breiter. Heisst das vielleicht, dass der Blick der Apostel in den Himmel eng wird, weil sie etwas suchen, das dort nicht mehr zu finden ist? Gibt dieser Strahl eine andere Blickrichtung vor; die nach unten? Das ist es ja, was die Männer den Aposteln sagen: «Verliert euch nicht im Himmel. Der Ort Jesu ist die Erde. Er wird zurückkommen. Das ist deshalb auch euer Ort.»
Oder mit den Farben der Stele gesprochen: Unten ist das Rot der Liebe zu finden. Dort auch das helle Gelb des Lichts, der Lebendigkeit. Und ist es nicht fast so, als ob das Blau des Himmels und Gottes von oben herabregnet, in immer grösser werdenden Farbfeldern? Als ob Gott nicht im Himmel, sondern auf Erden stattfinden würde?

Wenn ich die christliche Botschaft der Menschwerdung Gottes ernst nehme, dann ist die Richtung Gottes die von oben nach unten.
Es darf auch die unsere werden. (mb)

Abb: Florian Froehlich, Hommes de Galilée, pourquoi restez-vous ainsi à regarder le ciel?, 2009, Eglise Notre-Dame de l’Assomption, Saignelégier, Schweiz. Foto: Privat