Woher kommt mir Hilfe?

Kennen Sie den Berglerpsalm? So benamst werden Sie ihn im Buch der Bücher auch nicht finden. Anders, wenn Sie den Text vernehmen. Dann werden Sie sogleich verstehen, weshalb ich dem Psalm, es ist der 121., diesen Namen angedichtet habe.
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.
Er lässt deinen Fuß nicht wanken. Der dich behütet, schläft nicht.
Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite.
Bei Tage wird dich die Sonne nicht stechen, noch nachts der Mond.
Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben.
Er behüte deinen Eingang und deinen Ausgang, von nun an bis in Ewigkeit.
In den Sommerferien war ich eine Woche bei meinem Schulfreund in dessen Maiensäß oberhalb Küblis. Von dort aus bietet sich dem Auge an wolkenfreien Tagen ein atemberaubender Blick hinauf auf die Sulzfluh, mit über 2800 m.ü.M. einer der höchsten Gipfel des Rätikons. Dem fühlenden Herzen geht auf, weshalb der Berg oder der Fels in der Bibel gleichnishaft für Gott stehen. So etwa heißt es in Psalm 62,3: „Gott ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht wanken werde.“ Auch sind die Berge in der Bibel Orte besonderer Gottesnähe. Dem Mose erscheint Gott auf dem Berg Horeb. Noahs Arche landet auf dem Gipfel des Ararat. Vom Berg herab, in der Bergpredigt, verkündet Jesus die Maximen seiner Lehre. Und im Psalm 9,12 wird der Berg Zion besungen als die Wohnstätte Jahwes: „Singet dem Herrn, der thront auf dem Zion.“
Ich meine zu verstehen, weshalb Berge und Felsen uns Sterblichen zum Gleichnis für das Ewige, das Göttliche werden können. Berge ziehen unseren Blick nach oben, verbinden die Erde mit dem Himmel. Das Wissen um ihre Dauer und Beständigkeit kann uns angesichts unserer so kurzen Lebenszeit demütig werden lassen. Ihr majestätischer Anblick kann uns unsere Kleinheit vor Augen führen, unsere Nichtigkeit im unermesslichen Kosmos. Klein können angesichts der Erhabenheit der Berge auch die Sorgen und Nöte werden, die uns unten im Tal beengen und beängstigen. Mir jedenfalls geht es so. Auch deshalb liebe ich die Berge und den Berglerpsalm.
Bildquelle: Privat