Zeugin des Glaubens
Heute feiern wir eine Frau, deren Geschichte tief bewegt, manchmal auch irritiert und ganz oft inspiriert. Die Rede ist von Maria Magdalena. Sie war keine biblische Randfigur und auch nicht nur die einst frivole, dann bekehrte Sünderin, zu der man sie lange degradierte. Sie war viel mehr: Jüngerin, Gefährtin Jesu und die erste Zeugin seiner Auferstehung.
Maria Magdalena folgte Jesus nach, sie hörte ihm zu, diente ihm, liebte ihn und ist bei ihm geblieben, als viele geflohen sind. Was für eine mutige Frau! Sie stand unter seinem Kreuz, an dem gerade ihre Welt und die ihrer Freunde zerbrochen war. Ihre unerschütterliche Treue wurde belohnt, denn Maria durfte als erster Mensch dem auferstandenen Christus begegnen. Es ist kein Zufall, dass es weder Petrus, noch Johannes waren, sondern Maria. Viele Menschen in der damaligen patriarchalen Gesellschaft haben sich garantiert verwundert die Augen gerieben, als sie Maria reden hörten: eine Frau verkündet die Frohe Botschaft! Und so steht Maria Magdalena auch für das Neue, das Gott mit uns Menschen beginnen will. In Maria Magdalena leuchtet etwas auf, das über sie hinausweist. Sie verkörpert all jene, die suchen, weinen, hoffen und schliesslich finden. Ich gehe sogar so weit, dass in ihr eine der wichtigsten Repräsentantinnen des Reiches Gottes zu sehen ist, das nicht auf Macht gründet, sondern auf Liebe, Glaube, Treue und Mut.
Für viele Frauen ist Maria Magdalena eine Hoffnungsfigur. Sie erinnert daran, dass Frauen tragende Rollen im Leben Jesu Christi und in der frühen Kirche spielten. Die frohe Botschaft wurde als erstes durch Frauenmund verkündet und Jesus zeigt damit mutig, dass er selbst keine Angst hatte, neue Wege zu gehen. Ich wünsche mir, dass die Erinnerung an Maria Magdalena uns alle darin stärken kann, furchtloser zu glauben, intensiver zu lieben und standhafter zu hoffen.
