Zurück zur Natur

Wer zurzeit von der Seebrücke in Luzern in Richtung Hofkirche am See entlang spaziert, stösst auf eine grosse Baustelle. Die Stämme der Kastanienbäume sind mit Schalbrettern geschützt, der Asphalt wurde grossteils schon entfernt und Kompaktbagger stehen bereit, um den herantransportierten Mergel als neuen Belag gleichmässig zu verteilen. Der Schweizerhofquai soll entsiegelt werden, wie es an anderen Seeuferabschnitten bereits geschehen ist. Es ist eine gute Nachricht für die Bäume, die mit ihrem Blätterdach den am Quai flanierenden Menschen Schutz und Schatten bieten. Ohne den Asphalt können sie sich besser entfalten und der Regen findet leichter Zugang zu ihren Wurzeln.

Baustelle am Schweizerhofquai
Die Entsiegelung des Schweizerhofquais in Luzern

Asphaltierte Wege sind praktisch und eine der vielen Massnahmen zur Optimierung der Umgebung, ausgerichtet an den Vorstellungen und Bedürfnissen der Menschen. Dadurch wird allerdings nicht selten das ökologische System beeinträchtigt und geschädigt, und das ist auf lange Sicht auch für uns von Nachteil. Zum Glück gibt es ein Umdenken: Vielerorts werden Wege und Flächen entsiegelt, begradigte Flüsse renaturiert, Biotope angelegt und Veränderungen vorgenommen, welche die Vielfalt von Pflanzen und Tieren fördern. Es ist eine Bewegung zurück zur Natur.

Auch persönlich verspüren Menschen den Drang zum Optimieren, etwa gegenüber ihrem eigenen Körper oder der Planung ihres Berufs- und Privatlebens. Idealvorstellungen, die oft nicht einmal die eigenen sind, werden zum Massstab gemacht und verbissen verfolgt. Manche geraten in Stress, überfordern sich und belasten ihre Gesundheit. Auch hier hilft der Aufruf «zurück zur Natur», nämlich zur eigenen: den persönlichen Lebensrhythmus berücksichtigen, die eigenen Begrenzungen respektieren, dem Körper und der Seele geben, was sie wirklich brauchen und aus dem Vertrauen heraus leben, dass ich schon jetzt – in meinem unperfekten Zustand – ganz in Ordnung und von Gott angenommen bin.