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Zwischengeschoss

Bild: Marc-André Hunziker

Mitten im Trubel des Hauptbahnhofs Zürich liegt die Bahnhofkirche im Zwischengeschoss – ein Ort, der leicht übersehen wird. Gerade dort zeigt sich in gewissen Zeiten ein überraschendes Bild: Sonnenlicht fällt durch das Dach des Hauptbahnhofs bis in diesen tieferliegenden Raum. Es durchdringt Strukturen, die eigentlich trennen, und erreicht einen Ort, der nicht direkt im Blickfeld der Menschen liegt.

Dieses Bild lässt sich übertragen. Auch im eigenen Leben gibt es Bereiche, die sich wie ein Zwischengeschoss anfühlen: nicht ganz sichtbar, nicht ganz bewusst, manchmal vernachlässigt. Es sind Erfahrungen, Gedanken oder Gefühle, die wenig Aufmerksamkeit bekommen – sei es, weil sie unangenehm sind, weil sie als unbedeutend erscheinen oder weil man nicht mehr daran glaubt, dass sich dort etwas verändert.

Das einfallende Licht macht deutlich: Was verborgen ist, bleibt nicht ausgeschlossen. Es gibt eine Bewegung, die nicht von oben nach unten bewertet, sondern schlicht erreicht. In religiöser Sprache kann man das als Ausdruck von Gottes Zuwendung verstehen. Diese Zuwendung ist nicht auf die sichtbaren oder geordneten Bereiche beschränkt. Sie gilt auch dem Unklaren, dem Unfertigen und dem, was im eigenen Leben wenig Beachtung findet.

Das bedeutet nicht, dass sich alles sofort verändert. Aber es verschiebt den Blick: Auch das Übersehene steht im Bereich von Aufmerksamkeit und Möglichkeit. Wer beginnt, diesen inneren Zwischenraum wahrzunehmen, eröffnet sich selber einen Zugang. Nicht durch Druck, sondern durch ein vorsichtiges oder besser: sorgfältiges Zulassen. (ve)