• Stossgebete

    In dieser Woche habe ich wieder sehr viele Termine und Sitzungen. Schon allein der Blick in den Kalender sorgt für einen steigenden Stresspegel. Es kann schon vorkommen, dass man mich an solch anstrengenden Tagen hin und wieder seufzen hört: «Stress, lass nach!» Dieser Satz klingt beinahe wie ein Stossgebet. Diese kommen heute noch öfter vor, als manchem bewusst sein mag. So z.B. der Ausruf «Gott sei Dank!». Auch weniger gläubigen Leuten geht er manchmal über die Lippen. Durch die ganze Geschichte des Christentums hindurch spielten Stossgebete eine wichtige Rolle. Schon Augustinus berichtete davon, als er das immerwährende Gebet der Wüstenväter in Ägypten beschrieb. Seinen Aufzeichnungen nach zu urteilen beteten die…

  • Vom Geben

    Der Fussballer Christiano Ronaldo hat einen neuen Verein: Al-Nassr FC in Saudi-Arabien. Wie immer ist sehr viel Geld im Spiel. Zur Person Ronaldo haben viele Menschen ein gespaltenes Verhältnis. Er fasziniert und provoziert gleichermassen durch seinen speziellen Charakter und Lebensstil. Auffällig ist, dass ihm in der Vergangenheit so mancher Fehltritt verziehen wurde. Wohl auch, weil er sich immer wieder durch sein soziales Engagement hervortut. Er gilt in den Augen vieler Menschen als einer der wohltätigsten Sportler weltweit. Ich muss bei einer solchen Beurteilung immer an eine Begebenheit denken, von der im Evangelium berichtet wird (z.B. Lk 21, 1-4). Wenn die Menschen damals in den Jerusalemer Tempel hineingegangen sind, kamen sie…

  • Herr, ich liebe dich

    Am Silvestertag ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. verstorben. In der letzten Woche wurde sein Requiem auf dem Petersplatz gefeiert. Rund 50 000 Gläubige waren zu diesem Ereignis angereist, um Benedikt XVI. die letzte Ehre zu erweisen. Seit vergangenem Sonntag können Gläubige das Grab des ehemaligen Papstes im Petersdom besuchen und persönlich Abschied nehmen. Zu seiner Person wurde im Laufe der Zeit viel gesagt und geschrieben, von Bewunderung und Anerkennung bis Ablehnung und Kritik war alles dabei. Mich persönlich konnte er besonders dann erreichen, wenn einmal die Fassade des konservativen Theologen aufgebrochen ist. So zum Beispiel als Papst Benedikt (zu diesem Zeitpunkt noch Kardinal Ratzinger) die Frage beantworten sollte, wie…

  • Arrope, Honig und ein weisser Poncho

    Heute feiert die Christenheit Epiphanie. Dieses Fest ist auch bekannt als Dreikönigstag. Die Gläubigen erinnern an die Ankunft der Sterndeuter in Bethlehem und ihre Anbetung des Jesuskindes an der Krippe. All das können wir im Matthäusevangelium (Mt 2) nachlesen. Darin ist auch überliefert, dass die Sterndeuter Jesus mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenken. Zur Krippe aus Peru, die wir in der Advents- und Weihnachtszeit in unserer Kapelle beherbergt haben, gehören auch drei königliche Magier. Sie haben kunstvoll verzierte Gefässe in ihren Händen, die für das Jesuskind gedacht sind. In ihnen befinden sich allerdings, entgegen der biblischen Überlieferung, Arrope, Honig und ein weisser Poncho aus Alpakawolle. In den Gefässen ist etwas…

  • Zuversicht

    Eines der schönsten deutschen Worte lautet meiner Meinung nach «Zuversicht». Besonders spannend finde ich, dass es im 10. Jahrhundert noch so viel wie «ehrfurchtsvolles Aufschauen» (zuofirsiht) bedeutete und fest verknüpft mit dem Glauben an Gottes Führung und Allmacht war. Im aktuellen Wörterbuch wird dieser Begriff folgendermassen definiert: festes Vertrauen auf eine positive Entwicklung in der Zukunft, auf die Erfüllung bestimmter Wünsche und Hoffnungen. Wenn wir nun an der Schwelle zu einem neuen Jahr stehen, dann mag ein Blick zurück nicht gerade hoffnungsvoll stimmen. Das Jahr 2022 war geprägt von Kriegen, Umweltkatastrophen, Inflation und, wie ich finde, von einer allgemeinen Verunsicherung. Vielleicht tut gerade in diese Situation eine ordentliche Portion «Zuversicht»…