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  • Den Dingen Zeit geben

    Wussten Sie, dass es noch nicht einmal 200 Jahre her ist, seit der erste Mensch fotografiert wurde? Und dass es in den Anfängen der Fotografie mehrere Minuten, manchmal sogar Stunden, dauerte, um auch nur ein einziges Bild aufzunehmen? Für ein Portrait mussten Menschen für eine gewisse Zeit absolut stillhalten, oft auf speziellen Stühlen fixiert, damit eine Aufnahme gelang. Heute ist es nur ein Klick mit dem Smartphone und die Bilder entstehen in einem Bruchteil einer Sekunde. Durchschnittlich rund 2000 Aufnahmen trägt jeder Mensch auf seinem Natel mit sich herum. Viele dieser Bilder werden nie wieder angeschaut. Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell gehen muss. Ich würde sogar…

  • Das Vermissen bleibt

    Heute würde meine gute Freundin Nadine ihren 46 Geburtstag feiern. Ich denke wie immer an diesem Datum ganz besonders an sie. Gemeinsam feiern können wir schon seit 10 Jahren nicht mehr miteinander. Denn Nadine ist gestorben. Es gibt Verluste, die begleiten uns ein Leben lang. Ganz bestimmt gibt es auch in Ihrem Leben einen oder mehrere Menschen, die sie schmerzlich vermissen. Man sagt: «Mit der Zeit wird es besser.» Und auf eine Art stimmt das auch. Der Alltag kehrt zurück, die Gedanken kreisen auch wieder um andere Dinge, das Herz wird ruhiger, man kann wieder Freude empfinden. Aber das Vermissen? Das ist auch noch nach vielen Jahren da. Forscher sprechen…

  • Starker Rücken

    «Bete nicht um leichtere Last, sondern um einen stärkeren Rücken.» Dieses Zitat geht zurück auf Teresa von Avila, deren Gedenktag heute ist. Obwohl sie vor über 440 Jahren gestorben ist, bringt Teresa von Avila damit eine sehr moderne Haltung zum Ausdruck, die genauso gut im Programm eines Life-Coaches unserer Zeit auftauchen könnte. Ihre Sicht auf Schwierigkeiten und Herausforderungen des Lebens verschiebt nämlich den Fokus, den wir Menschen sehr oft haben – weg von dem Problem, hin zur Chance auf persönliches Wachstum. Denn Teresa fragt nicht: «Wie werde ich meine Herausforderungen los?», sondern: «Wie kann ich an ihnen wachsen?». Im christlichen Glauben finden wir diesen Gedanken immer wieder. Paulus bringt es…

  • Dilexi te – Ich habe dich geliebt

    Vergangene Woche wurde das erste Lehrschreiben von Papst Leo XIV veröffentlicht: «Dilexi te – ich habe dich geliebt.» Dieser Titel ist eine Bibelstelle aus der Offenbarung des Johannes. Darin spricht Jesus zu einer Gemeinde, in der sich Menschen ohne grosse gesellschaftliche Bedeutung oder Reichtum versammelt haben, und spricht ihnen seine Liebe zu. Wie sein Vorgänger ruft der neue Papst dazu auf, sich neu auf die Liebe zu besinnen, vor allem zu den armen Menschen. Papst Leo XIV erinnert uns daran, dass Armut nicht nur an wenig Besitz festzumachen sei, sondern sich auch in Ausgrenzung und Einsamkeit zeigen könne oder dem Gefühl eines Menschen, von anderen übersehen zu werden. Deshalb macht…

  • Was noch möglich ist

    Ich arbeite nicht nur im Bahnhof, sondern auch im Gefängnis als Seelsorgerin. Oft fragen mich die Häftlinge nach einem Rosenkranz, den sie danach um den Hals, am Handgelenk oder in der Hosentasche tragen. Am Anfang meiner Tätigkeit hat mich das sehr überrascht. Warum spielt der Rosenkranz an diesem Ort, wo die «schweren Jungs» eingesperrt sind, eine solch grosse Rolle? Nun, für viele Inhaftierte ist er kein blosses religiöses Symbol, sondern ein Stück Halt in einem Leben, das aus den Fugen geraten ist. Der Alltag im Gefängnis ist hart, oft monoton, voller innerer und äusserer Kämpfe. Mancher Häftling wird den Rosenkranz beten, und darin Halt finden, die meisten tragen ihn aber…