• Kreuz ohne Jesus

    Das Kreuz ist das Ursymbol der christlichen Religion. Jesus – der Sohn Gottes – ist an einem Kreuz gestorben. Sein Leiden verstehen Christinnen und Christen als Zeichen der ganz besonderen Nähe Gottes zu den Menschen, die auch Schmerz, Krankheit und Sterben nicht ausklammert. Und indem Jesus nach dem Bekenntnis der Evangelien an Ostern auferstanden ist, können Christ:innen darauf vertrauen: Nicht einmal der Tod steht noch zwischen Mensch und Gott. Deshalb sieht man das Kreuz auf Kirchtürmen, in Kirchenräumen, als Abzeichen oder Schmuckstück. Besonders in katholischen Kirchen wird es meist mit dem daran hängenden Jesus dargestellt. Man nennt es Kruzifix. Mich spricht das Kreuz ohne Jesus mehr an, was wohl auch…

  • Irdene Gefässe

    Heute vor 112 Jahren, am 10. April 1912, startete der Passagierdampfer Titanic zu seiner Jungfernfahrt. Was ein paar Tage später geschah, ist hinlänglich bekannt: Das damals grösste Schiff der Welt, das als unsinkbar galt, kollidierte mit einem Eisberg und versank. 1514 Menschen verloren ihr Leben. Zwei Jahre später begann der Erste Weltkrieg, und nach dieser vier Jahre dauernden Katastrophe war der zuvor schier unbegrenzte Fortschrittsglaube, der ungeheure Optimismus was die Möglichkeiten menschlicher Entwicklung anbelangte, aufs Schwerste erschüttert. Der Untergang der Titanic wirkt wie ein erstes Zeichen für diese Erschütterung. Schnell wurde er auch religiös als Strafe oder Mahnung Gottes interpretiert: Der technische Fortschritt sei menschenfeindlich und widergöttlich. Allerdings sind das…

  • Judas im Paradies

    Der heutige Gründonnerstag ist unter anderem der Tag, an dem sich Christ:innen die biblische Erzählung des Verrates Jesu durch Judas vergegenwärtigen. Judas – einer der zwölf Jünger – führt die Wachleute der Hohen Priester zu seinem Meister, damit sie ihn verhaften können. Einen Tag später wird Jesus gekreuzigt. In der Geschichte des Christentums wurde Judas deshalb meist als hinterlistiger Verräter beschrieben. Dabei weiss man eigentlich nichts Genaues über seine Motivation zu dieser Tat. Zwei Evangelien berichten, der Satan sei in ihn gefahren. Neuere Deutungen sagen, eventuell habe er die Konfrontation Jesu mit seinen Widersachern aus strategischen Gründen herbeigeführt, damit dieser, in dem viele den langersehnten Messias Israels – den auch…

  • Palmsonntagsjubel – Karfreitagshetze

    Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern. Übermorgen beginnt die Zeit der Besinnung auf den Leidensweg Jesu – und auf seine Auferweckung aus dem Tod. Die biblischen Texte zum Palmsonntag beschreiben, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzieht. Von den Umstehenden wird er bejubelt: Er komme im Namen Gottes und sei ein König, der Frieden bringe. Kurz darauf – am Karfreitag – wird die Stimmung umschlagen. Jetzt fordern die Massen mit derselben Vehemenz den Tod des Gefeierten. Er wird verurteilt und am Kreuz hingerichtet. Diese Texte sind mit erheblicher Distanz zu den Geschehnissen verfasst worden, und die Evangelien sind nicht Tatsachenberichte, sondern kunstvoll komponierte Glaubensbücher, die die Bedeutung des Jesus erschliessen wollen.…

  • Das Kreuz mit dem Ei

    An Ostern werden viele Menschen wieder Eier tütschen. Das gehört ja zu dem Fest. Aber was hat der Brauch eigentlich mit dem christlichen Inhalt von Ostern zu tun? An diesem Tag feiern wir die Auferstehung von Jesus, die Überwindung des Todes durch den Gottessohn. Bunt bemalte Eier, die man aufeinanderschlägt und dann isst, hätten nichts damit zu tun, finden manche christliche Gruppierungen. Wirklich? Eier sind Räume verborgenen neuen Lebens. In ihnen wachsen Küken heran, die dann mit ihrem Schnabel die harte Eierschale zertrümmern und ins Leben hinausdrängen. Deshalb haben Eier mit Ostern zu tun: Sie sind Symbole für die Auferstehung. Das hier abgebildete Kreuz in der Zürcher Andreaskirche bringt den…