• Fest der Freigiebigkeit

    Wie halten Sie es mit den Weihnachtsgeschenken? An sich ist es wunderbar, einander zu beschenken, ein Zeichen der Wertschätzung, die man füreinander empfindet, und der Fülle, an der wir teilhaben. Kinder sehen in den schönen Dingen, welche sie am Heiligabend erhalten, nicht selten den Mittelpunkt des Weihnachtsgeschehens, das Übrige wird für sie zum Beiwerk. Manche Familien sind inzwischen dazu übergegangen, einander an Weihnachten bewusst nichts zu schenken. Es mag sein, dass ihnen die zunehmende Vermarktung des Schenkens zuwider ist. Oder sie wollen nicht mehr gegeneinander darum wetteifern, wer die grösseren, teureren oder originelleren Geschenke macht. Viele sagen auch, dass sie sowieso schon alles hätten und sich das, was sie gern…

  • Aufmerksam und fürsorglich

    Die peruanische Krippe aus Silber, die zurzeit in der Kapelle der Bahnhofkirche zur Betrachtung einlädt, löst bei Besucherinnen und Besuchern unterschiedliche Reaktionen aus. Viele begegnen ihr mit Staunen und Neugier darüber, wie in einem uns fremden Kulturkreis die Weihnachtsszene gestaltet wird. Andere werden buchstäblich nicht so richtig «warm» mit der Krippe: Die Machart und das Material lassen sie eher kalt und distanziert erscheinen. Tatsächlich trägt die Fertigungsart mit den dünnen geformten, geprägten und verlöteten Metallblechen zu einer statischen und schematischen Erscheinung der Figuren bei. Im Detail betrachtet entdecke ich in dieser Krippe allerdings durchaus Ausdrucksstarkes. Mir ist das Gesicht des Josef aufgefallen. Es zeigt sich mir ein bärtiger Mann, an…

  • Ermutigende Zeichen

    Was in Gesetzbüchern steht, muss noch lange nicht rechtens sein. Bisweilen fehlt das Bemühen um umfassende Gerechtigkeit in der menschlichen Gesetzgebung. Institutionalisierte Benachteiligungen kann man als strukturelle Sünden bezeichnen, und ihnen ausgeliefert zu sein, macht besonders hilflos. Eine mutige beispielhafte Tat kann Dinge in Bewegung bringen und Unrecht überwinden. So war es vor 67 Jahren, als in weiten Gebieten der Vereinigten Staaten Rassentrennung herrschte: Für Weisse und Nichtweisse gab es getrennte Bereiche in der Öffentlichkeit, vielfach litt die nichtweisse Bevölkerung unter massiven Diskriminierungen. Am 1. Dezember 1955 geschah es, dass die Afroamerikanerin Rosa Parks in Montgomery / Alabama verhaftet wurde. Sie hatte sich im Bus geweigert, ihren Sitzplatz einem weissen…

  • Spiegel des Göttlichen

    Inzwischen sind die Tage deutlich kürzer geworden, und das natürliche Licht nimmt weiter ab. Ich sehne mich nach Aufhellung, für meine Augen und für meine Seele. Den meisten Menschen geht es ähnlich, in dieser Zeit sind depressive Verstimmungen ziemlich verbreitet. Gerade jetzt beginnen das neue Kirchenjahr und die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. So als wolle uns die Glaubenstradition aufmuntern: Egal, wie düster und garstig es im Aussen auch sein mag: Der göttliche Beistand ist ganz nahe und will unser Herz wärmen, erhellen und beruhigen. Es erfüllt mich mit Freude, dass in den kommenden Wochen die Kapelle der Bahnhofkirche etwas heller als sonst erscheint, erfüllt von einem besonderen Licht. Das hat mit…

  • Ein Boden für das Fass

    Das Mädchen Alice und das weisse Kaninchen kennen wir aus Lewis Carrolls weltbekanntem Kinderbuch «Alice im Wunderland». Folgender Text kursiert im Internet, der nicht aus diesem Buch stammt und gleichwohl bedenkenswert ist: «Liebst du mich?» fragte Alice. «Nein, ich liebe dich nicht!» antwortete das weisse Kaninchen. Alice runzelte die Stirn und faltete ihre Hände, wie sie es immer tat, wenn sie sich verletzt fühlte. «Siehst du?», sagte das weisse Kaninchen. «Nun wirst du dich fragen, was so unvollkommen an dir ist, und was du falsch gemacht hast, dass ich dich nicht wenigstens ein bisschen lieben kann. Weisst du, aus diesem Grund kann ich dich nicht lieben: Du wirst nicht immer…